NEWSLETTER #12 zum Sommer 2018

Wolfgang Weigand, Rituale & Coaching



Aus dem Inhalt:

● Gedanken zu Sommer, Fussball und Liebe
● Gedanken zum Abschiednehmen
● In eigener Sache



Begegnungen

Gedankenflüge
zwischen Fernweh
und Heimat

Immer wieder sich sehen
und dann wieder
auseinandergehen
und sich finden
und sich verlieren

wie Ebbe und Flut
Sonne und Mond
wie Winter und Sommer

Und dazwischen
auftauchen und staunen
und atmen
in den Gezeiten

und dann wieder abtauchen
in das kühle Wasser
und bis auf den Grund sehen
vielleicht

und mich und dich erkennen
wie wir sind.
Einfach so.


(Wolfgang Weigand)
 





Lieber Leser, liebe Leserin dieses Newsletters

„Deutschland. Ein Sommermärchen“, so nannte Sönke Wortmann seinen Dokumentarfilm über die deutsche Nationalmannschaft an der Fussball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland. Da stand ein anderer berühmter Dichter Namenspate: Heinrich Heine beschrieb seine Reise von Paris nach Hamburg 1843 in seinem Gedichtzyklus „Deutschland. Ein Wintermärchen.“
Zurzeit wird wieder um die Fussballweltmeisterschaft gespielt. Die deutsche Mannschaft ist längst ausgeschieden, andere vermeintliche Favoriten auch. Also kein Sommermärchen mehr?
Was macht eigentlich ein Sommermärchen zu einem solchen? Erfolge, Siege? Oder eben doch: Freunde treffen, Feste feiern, warme lange Abende im Biergarten, lachende grosse und kleine Menschen in den Badeanstalten und auf den Strassen, Begegnungen, Wanderungen, Sonnenschein, Natur, eisgekühlte Drinks, spannende Bücher auf der Liege, vielleicht sogar am Strand, abtauchen, vergessen, sorglos sein? Und wie viele Schatten verträgt es, damit es noch ein solches bleibt, wie: Hitzegewitter, Staus in den Süden, Pollenallergien? Oder so wie 2006 eine Niederlage im Halbfinale gegen Italien, so dass der grosse Titeltraum geplatzt war?

Manchmal ist es auch so mit der Liebe.
„Eine Liebe, in Gedanken“, so heisst das neue Buch von Kristine Bilkau. Es ist ein raffinierter und berührender Roman über eine Liebe, die ein Leben lang dauert, obwohl sie unerfüllt bleibt. Oder vielleicht gerade deswegen! Es geht um eine letztlich unerwiderte Liebe, die ihren Sinn in sich selbst findet, oder die, wie ein Buchkritiker geschrieben hat, „gewissermassen nur im Pfeil lebt, ohne ihr Ziel je zu erreichen“. So wie beim Sommermärchen 2006.

Wie (un)erfüllt auch immer sich der Zauber des Sommers oder der Liebe zeigt: Schweiss und Tränen (oder Ent-Täuschung) gehören manchmal auch dazu. Beides hat mit Transformation zu tun: fliessen lassen, was blockiert; loslassen, was abhängig macht; klären, was unter der Oberfläche schwelt. Vielleicht auch zum Wesentlichen kommen - und dann neu auftanken.

„Sommer 2018. Ein Aufbruch“, so könnte dein / Ihr neues Buch heissen, das noch geschrieben werden darf. Ich wünsche dir, euch und Ihnen von Herzen inspirierte Sommertage und kleine Aufbrüche, im Denken, in der Liebe, in Freundschaften, vielleicht auch in der Kreativität. Und immer wieder ein Happy End. Wie im Sommermärchen...



Herzlichst

Wolfgang Weigand
 



Gedanken zum Abschied




Schreiben, um gut zu sterben


Die australische Schriftstellerin Cory Taylor hat ein Buch über ihren eigenen nahenden Tod verfasst und dabei festgestellt: Am Ende sind wir alle Anfänger. Sie starb mit 61 am 5. Juli 2016 an ihrer Krebserkrankung. Wenige Monate vor ihrem Tod begann sie, die Geschichte ihres Sterbens aufzuschreiben.
„Sterben – Eine Erfahrung“, so heisst der schlichte Titel.

Die Diagnose zwingt sie, sich mit dem Sterben auseinanderzusetzen. Doch wie macht man das? Wie nähert man sich seinem Ende? "Es ist das erste Mal, dass ich sterbe, deshalb gehen mir als Anfängerin hin und wieder die Nerven durch; doch das geht schnell vorbei."

Obwohl Taylor nicht ernsthaft in Erwägung zieht, sich das Leben zu nehmen, beschreibt sie in dem Buch auch ihren Wunschtod, eine Party, bei der es Drinks gäbe, Musik aus ihrer Jugend, Abschied, Tränen, hoffentlich auch ein wenig Gelächter und das Wissen darum, dass die Party nach ihrem Tod ohne sie weiterginge. Sie hatte sich über das Internet entsprechende Sterbemedikamente aus China bestellt, weil in Australien Sterbehilfe verboten ist.

Zu sterben ist bei Cory Taylor keine durchgehend finstere Angelegenheit, sondern eher wie ein Kondensat des Lebens, mit allen dazugehörigen Gefühlen und Fragen. Sie tritt als Todkranke in einer australischen Talk-Show auf. Folgende Fragen wurden Cory Taylor gestellt:

Haben Sie eine Liste der Dinge, die Sie vor Ihrem Tod unbedingt noch tun wollen?
Haben Sie mal Suizid in Betracht gezogen?
Sind Sie religiös geworden?
Haben Sie Angst?
Gibt es Dinge, die Sie bedauern oder bereuen?
Glauben Sie an ein Leben nach dem Tod?
Sind Sie unglücklich oder deprimiert?
Gehen Sie jetzt, da Sie ohnehin sterben werden, mehr Risiken ein?
Was werden Sie am meisten vermissen?
Wie wollen Sie in Erinnerung behalten werden?


In einem letzten Interview vor ihrem Tod sagte Taylor: "Ich wünschte, ich hätte vorher viel mehr über das Sterben gewusst." Ihr Buch ist ein Angebot an all jene, die diesen Wunsch teilen.

Es scheint so: das Wissen um das (nahe) Ende kann produktiv und kreativ machen. Wenn das schon unter diesen Umständen so ist: wieviel mehr könnte es das blühende Leben sein, das uns anregt, bewegt, inspiriert? Vielleicht finden wir in der Sommerzeit, auf Reisen oder auch zuhause im Alltag, wieder einmal neue Spuren dieser Kreativität. Schreiben, Musik hören, Malen, ein langes Gespräch, ein Konzert, ein berührendes Buch. Auch das wären Bausteine für das Sommermärchen 2018.



 



In eigener Sache:



Abgesänge – Kabarett-Neuauflage mit Paolo Vignoli & Sofachor

In einer Neuauflage zeige ich Ausschnitte aus dem Programm „Der Tod ist doch das Letzte“ und Neues dazu gemeinsam mit dem Sofa-Chor. „Abgesänge“: es wird wieder musikalisch und textlich hoch- (und tief)gehen.

Mittwoch/Donnerstag, 11./12. Juli, 19.30 Uhr: Coalmine Bar Winterthur (direkt am Bahnhof)
Donnerstags, 13./20. September, 19.30 Uhr: Stadtmission am Neumarkt, Winterthur
(Eintritt frei: jeweils Urnen-Kollekte)


Lesung aus «Grenzgänger – Erzählungen
auf der Kippe»
Vor kurzem wurde mein neues Buch „Grenzgänger“ (Königshausen & Neumann) von der Stadt Winterthur mit einem Werkbeitrag prämiert. Am Donnerstag, 27. September, 19.30 Uhr, lese ich daraus im Parterre33, St. Gallen. Anmeldung dazu ist über reservation@parterre33.ch möglich.

Weitere Lesungen sind in Planung und werden auf
www.schritte.ch aufgeschaltet.


Café Goodbye

Am Sonntag, 9. September, wird Yvonne Rinderknecht unser Gast sein. Sie erzählt uns von einer äussersten Grenzerfahrung im Leben: „Nahtod-Erlebnis: wenn das Leben plötzlich zu Ende scheint“, so heisst unser Thema diesmal, und wir freuen uns auf anregende, berührende Impulse und Gespräche mit Ihnen. Türöffnung ist im Bistro Dimensione an der Neustadtgasse 25 in Winterthur wie immer um 9 Uhr, um 9.30 Uhr wird dann das Café Goodbye beginnen. Sie sind herzlich eingeladen!


Seminare/Kurse
 

  • Vom Umgang mit Trauer und Abschied, Sonntag, bis Mittwoch, 2. bis 5. September, Benediktushof Holzkirchen bei Würzburg/D
    » Näheres zum Kurs sowie Anmeldung

  • Neuauflage Kurs am IPE Zürich:
    Begleitung am Lebensende – dem Sterben ein Zuhause geben
    Der Kurs richtet sich an Menschen, die im Angehörigen- oder Bekanntenkreis jemanden begleiten, die im Pflege- oder Sozialbereich beruflich tätig sind / waren, oder die sich einfach für das Thema interessieren und bewusster mit der eigenen Vergänglichkeit und mit Erfahrungen von Abschied und Trauer leben möchten.

    Ich führe diesen Kurs mit Franziska Trüb (Leiterin Palliativ-Abteilung KSW Winterthur) wieder in sechs Einheiten durch, diesmal in
    Zusammenarbeit palliative zh+sh und dem Institut für Philosophie und Ethik, Zürich. Er findet statt zwischen Oktober und November 2018, jeweils Dienstagabend, von 17 bis 20 Uhr (Termine: 2./16./ 23./30.Okt. sowie 6./13. Nov. 18)
    » Näheres zum Seminar sowie Details zur Anmeldung

Kurs-Hinweise – Vorschau 2019:



Impressum:

Wolfgang Weigand

Rituale & Coaching
neu seit 1. Juni 2018:
Mühlenstrasse 5
CH-8400 Winterthur

044 941 00 59
079 359 56 46

mailto:w.weigand@schritte.ch

www.schritte.ch
www.abschiedsfeiern.ch

Versandhinweis:
Der Newsletter erscheint vierteljährlich. In den letzten Newsletter ging es um die Espresso-Strategie, um das Anna-Karenina-Prinzip und um den Hofnarren. Wenn Sie diese Newsletter noch beziehen möchten, können Sie sie gerne unter w.weigand@schritte.ch anfordern.

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